
QWERTY, Dvorak, Colemak und Neo: Lohnt es sich, ein alternatives Tastaturlayout zu lernen?
QWERTY hat ein Imageproblem, das es nie ganz losgeworden ist: Der verbreiteten Geschichte zufolge wurde es entworfen, um Schreibkräfte auszubremsen, indem häufige Buchstabenpaare auseinandergelegt wurden, damit frühe mechanische Schreibmaschinen nicht verklemmten. Die ganze Geschichte ist verworrener, und Historiker streiten bis heute, wie viel am Layout wirklich dem Verhindern von Verklemmungen diente und wie viel anderen Fertigungszwängen der 1870er-Jahre. Unbestritten ist, dass QWERTY für eine Maschine optimiert wurde, die es seit Jahrzehnten nicht mehr gibt, und nicht für den Komfort oder das Tempo einer menschlichen Hand auf einer modernen Tastatur.
QWERTY und QWERTZ: die Layouts, die alle kennen
Die Stärke von QWERTY hat nichts mit seinem Entwurf zu tun. Es ist überall. Jeder gemeinsam genutzte Rechner, jeder Laptop im Laden und jede Handytastatur nutzt es, und gängige Tastenkürzel wie Kopieren, Einfügen und Rückgängig liegen seinetwegen dort, wo sie liegen. Das deutsche QWERTZ ist eine enge Variante: Y und Z sind vertauscht, weil das Z im Deutschen viel häufiger ist, und die Umlaute kommen dazu.
Die Schwächen sind echt, wenn auch überschaubar. Die häufigsten Buchstaben liegen nicht auf der Grundreihe, sodass die Finger ihre Ruheposition bei den meisten Wörtern verlassen. Mehrere sehr häufige Buchstaben werden mit schwachen Fingern oder ungünstigen Griffen getippt.
Dvorak: rund um die Grundreihe gebaut
Dvorak, in den 1930er-Jahren von August Dvorak und William Dealey entworfen, ging bewusst den umgekehrten Weg. Alle Vokale liegen links auf der Grundreihe, die häufigsten Konsonanten rechts. Ein großer Teil des Tippens im Englischen, oft mit rund siebzig Prozent beziffert, gelingt ohne Verlassen der Grundreihe, gegenüber etwa einem Drittel bei QWERTY.
Das Layout verteilt die Arbeit außerdem gleichmäßiger auf beide Hände und fördert den Handwechsel, sodass ein Finger selten zweimal hintereinander arbeiten muss. Auf dem Papier und in einigen kleinen Studien bedeutet das kürzere Fingerwege und etwas weniger Ermüdung bei langen Sitzungen.
Der Preis: Fast jede Taste wandert. Auf QWERTY ausgelegte Tastenkürzel liegen verstreut, und fast dein gesamtes Muskelgedächtnis muss neu aufgebaut werden. Dvorak wurde zudem für das Englische entworfen.
Colemak: der größte Teil des Nutzens bei weniger Umbruch
Colemak kam deutlich später, 2006, mit einem moderneren Ziel: den größten Teil des ergonomischen Nutzens behalten und dabei viel weniger Tasten ändern. Nur siebzehn Tasten unterscheiden sich von QWERTY. Die Kürzel der unteren Reihe für Rückgängig, Ausschneiden, Kopieren und Einfügen bleiben, wo sie sind, und die meisten Satzzeichen ebenfalls.
Damit ist Colemak für geübte QWERTY-Tipper spürbar schneller zu lernen, weil ein großer Teil des vorhandenen Muskelgedächtnisses nutzbar bleibt. Varianten wie Colemak-DH verschieben noch ein paar Positionen, um seitliche Streckbewegungen der Zeigefinger zu verringern.
Neo: die Alternative für das Deutsche
Für deutschsprachige Tipper gibt es ein Layout, das auf ihre Sprache zugeschnitten ist. Neo wird seit 2004 von einer Gemeinschaft entwickelt und legt die im Deutschen häufigsten Buchstaben auf die Grundreihe. Über mehrere Ebenen sind Umlaute, das ß, Sonderzeichen für das Programmieren und Navigationstasten bequem erreichbar. Wer überwiegend auf Deutsch schreibt, findet hier den naheliegendsten Kandidaten.
Macht ein anderes Layout schneller?
Das ist die Frage, die die meisten wirklich interessiert, und die ehrliche Antwort lautet: weniger, als die Schaubilder vermuten lassen.
Die Forschung ist dünn und alt, und die frühen Studien, die Dvorak dramatische Vorteile bescheinigten, wurden später wegen ihrer Durchführung kritisiert. Gut belegt ist, dass alternative Layouts den Weg verkürzen, den deine Finger zurücklegen. Ob daraus mehr Tempo wird, hängt vor allem davon ab, wie viel du übst. Sehr schnelle Tipper gibt es auf jedem Layout, und viele der schnellsten nutzen weiterhin QWERTY.
Realistisch ist ein ähnliches Höchsttempo, erreicht mit weniger Bewegung und oft mehr Komfort.
Was der Umstieg wirklich kostet
Rechne mit mehreren Wochen, in denen du weit langsamer tippst als bisher, während dein Gehirn fast von null einen neuen Satz an Bewegungsmustern aufbaut. Das prozedurale Gedächtnis lässt sich nicht so zwischen Layouts übertragen, wie man hofft.
Ein typischer Verlauf: 10 bis 20 WPM in der ersten Woche, nach ein bis zwei Monaten täglichen Übens wieder ein brauchbares Tempo, und nach drei bis sechs Monaten das alte Niveau. Manche bleiben lange unter ihrem früheren Höchsttempo. Andere legen sich nie ganz fest und werden auf beiden mittelmäßig.
Dazu kommen praktische Kosten:
- Fremde Rechner. QWERTZ begegnet dir weiterhin bei der Arbeit, in der Schule und an gemeinsam genutzten Geräten.
- Tastenkürzel und Spiele. Viele setzen die üblichen Positionen voraus.
- Das Handy. Es bleibt wahrscheinlich beim gewohnten Layout, du lebst also ohnehin mit zweien.
Manche halten beide Layouts am Leben, doch das erfordert gezieltes Üben auf jedem.
Wer wirklich profitiert
Am deutlichsten profitieren Menschen mit echter Überlastung oder Beschwerden durch wiederholte Belastung. Ein Layout, das unbequeme Griffe vermeidet, kann helfen, zusammen mit einer vernünftigen Ergonomie am Arbeitsplatz. Gute Kandidaten sind auch alle, die das Zehnfingersystem gerade erst lernen, weil sie weniger verlernen müssen.
Für jemanden, der bereits schnell, bequem und schmerzfrei tippt, sind die Argumente viel schwächer. Der theoretische Gewinn wiegt Wochen frustrierenden Rückschritts selten auf, dazu kommt der Dauerumstand, in einer QWERTZ-Welt zu leben.
Wenn du es ausprobieren willst
- Wähle nach deiner Sprache: Neo fürs Deutsche, Colemak, wenn du viel auf Englisch schreibst oder deine Tastenkürzel behalten willst.
- Stell das Layout im Betriebssystem um. Du brauchst keine neue Hardware, und auf die Tastenbeschriftung solltest du ohnehin nicht schauen.
- Übe in kurzen täglichen Sitzungen und nutze für Dringendes zunächst weiter dein altes Layout.
- Gib dem Ganzen mindestens einen Monat, bevor du das Ergebnis beurteilst.
Die Wahl des Layouts ist eine der wenigen wirklich persönlichen Entscheidungen beim Tippen. Sie ist es wert, dass man sie kennt, selten wert, dass man sich darüber den Kopf zerbricht, und nie etwas, das man ändern muss, nur weil es existiert. Fünfzehn Minuten genaues Üben am Tag auf dem Layout, das du schon nutzt, bringen deinem Tempo mehr als jede Neuanordnung der Tasten.